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Konzertreise nach Deutschland | 18.-20.09.2026

vor 8 Stunden
7 Min. Lesezeit

Wer einmal eine Reise mit mitreissenden, entspannten Konzerten, viel Lachen, guten Gesprächen, feinem Essen und etlichen Wanderkilometern erleben möchte, der oder die müsste sich einfach der Stadtmusik Rorschach anschliessen. Aber lassen Sie mich von Anfang an berichten.



Freitag, 18. September 2026

Der grösste Teil der Musikantinnen und Musikanten startete die diesjährige Vereinsreise in Rorschach, wie gewohnt beim Probelokal. In Goldach wurden noch die restlichen Mitglieder eingesammelt und los ging’s mit Gross-Reisen Richtung Augsburg.



Ziel unseres ersten Halts war die Fuggerei in Augsburg. Den meisten wird der Name Fugger aus der Geschichte bekannt sein. Aber dass es sich bei der Fuggerei nicht um ein Handelsunternehmen handelt, sondern um die älteste Sozialsiedlung der Welt, war auch mir neu. Wir hatten dann die Möglichkeit an einer Führung teilzunehmen, im deren Laufe wir ganz viele interessante Details erfuhren. So wurden wir darüber informiert, dass nach dem 2.Weltkrieg, die grösstenteils komplett zerstörten Häuser wieder originalgetreu aufgebaut wurden. 67 Häuser mit 142 Wohnungen werden heute von bedürftigen, katholischen Augsburgerinnen und Augsburgern mit einer Jahresmiete von 88 Cent und 3 Gebeten pro Tag bewohnt. Allerdings muss nicht mehr auf Holzherden gekocht oder ein Plumpsklo benutzt werden. Die Wohnungen entsprechen von der Einrichtung her dem heutigen Standard und haben auch Internet. Ziel dieser sozialen Institution ist, den Leuten wieder auf die Beine zu helfen, was aber, nach Aussagen der Informanten, nicht immer gelingt. Was mir noch speziell erschien, war, dass abends um 10 Uhr die Eingangstore geschlossen werden und wer später heimkommt, muss an der Nachtpforte läuten und einen Obulus für den Torwächter entrichten.

Nach der Führung holten wir unsere Instrumente beim Car ab und richteten uns im Zentrum der Siedlung in Konzertformation ein. Andy erzählte, dass er von einer älteren Bewohnerin gefragt wurde, ob sie zuhören dürfe und ob das etwas koste. Als er sagte, dass sie gerne zuhören und nichts berappen müsse, wollte sie eine Spende entrichten. Natürlich dürfen wir so etwas im Ausland nicht annehmen. Aber es ist doch interessant, dass Leute, die nicht viel besitzen, ihren Besitz noch teilen wollen.

Unser erstes Konzert auf dieser Reise war geprägt von Spielfreude, was sich auch auf die Zuhörenden übertrug und sie zu rhythmischen Bewegungen und zum Tanzen veranlasste. Kein Wunder erhielt Guido zum Schluss ein schönes Herbststräusschen.

Nach unserm Konzert gings Richtung «Die Tafeldecker», dem Restaurant der Siedlung, das auch externe Gäste verpflegt. Wieder einmal mehr erlebte ich, dass unsere nördlichen Nachbarn deutlich grössere Portionen auf ihre Teller packen. Aber da wir alle keinen Znüni genossen hatten, blieb auf den Tellern nicht viel übrig. Es war richtig gemütlich, so zu sitzen, zu geniessen und zu plaudern.



Aber dann mussten wir unser zweites Ziel in Augsburg ansteuern – den Moritzplatz. Das Problem war, dass der Car uns da nicht hinfahren konnte. Das hiess, dass wir unsere Instrumente, die Notenständer, das Schlagzeug selber beinahe einen Kilometer an diesen Ort schleppen mussten. Vor allem für die Transporte des Materials auf den kleinen Wagen war das eine echte Herausforderung. Kopfsteinpflaster, immer wieder Tottoirabsätze. Aber die jungen Leute packten an und schafften das natürlich auch.

Pünktlich waren wir dann auf dem Moritzplatz startbereit und konnten ein weiteres Publikum mit unseren Melodien erfreuen. Und sie hatten Freude, denn es sammelten sich immer mehr Zuhörende und der Applaus wurde deutlich lauter.

Nach einer kleinen Pause, in der sich das Publikum zerstreute, spielten wir weiter und sofort sammelten sich die Zuhörenden wieder. Jemand erzählte, dass auf einem nebenan gelegenen Dachterrassenrestaurant die Gäste von unsern Melodien sehr begeistert gewesen wären.

Wer allerdings nicht mitspielen wollte, war der Wind. Er hatte das Gefühl, Noten müssten neu verteilt und Notenständer ins Schwanken gebracht werden. Doch auch das hatten wir im Griff und liessen uns nicht gross vom Kurs abbringen.

Beim Rücktransport unseres Equipments überlegte sich wohl die eine oder der andere, im nächsten Leben Piccolo zu spielen.

Aber natürlich schafften wir auch diese Hürde und weiter ging’s Richtung Nürnberg, wo wir 2 Nächte übernachteten.

Nach unserer Ankunft hatten wir eine knappe halbe Stunde Zeit, unser Zimmer zu beziehen, etwas Frisches anzuziehen und schon ging’s weiter Richtung «Tucher Mautkeller». Obwohl wir alle etwas müde waren, wurde das Wissen, dass wir 25’ – 30’ Minuten bis zu dieser Location laufen mussten, von der Freude des bevorstehenden Essens übertönt.

Und es war dann auch ein Erlebnis. Ich war noch nie in einem Lokal, das 550 Gäste platzieren kann. Auch die Art und Weise, wie das Essen serviert wurde war etwas Besonderes. Alles war so hergerichtet, dass man sich einfach nach Lust und Laune bedienen konnte.

Allerdings war der Lärmpegel in dieser Gaststätte schon etwas grenzwertig. Dennoch konnten wir uns am Tisch unterhalten und so im Laufe des Abends überlegen, ob wir wohl den Heimweg wieder finden würden.

Das war dann aber kein Problem. Die einen nutzten ein Taxi – auch ich gehörte dazu. Die andern – dazu gehörten vor allem die jugendlichen Musikantinnen und Musikanten – erkundeten noch die Irish-Pups in Nürnberg. Die Sportlichen dagegen marschierten ins Hotel zurück.



Samstag, 19.September 2026

Mehr oder weniger ausgeschlafen trafen wir uns so ab halb acht im Frühstücksraum, wo uns ein äusserst reichhaltiges, aber einrichtungstechnisch etwas enges Buffett erwartete. Nach einer auseichenden Verpflegung und den ersten Gesprächen besammelten wir uns beim Car, der uns nach Memmelsdorf in die Brauerei «Drei Kronen» bringen sollte.

Ganz ehrlich gesagt, war ich von diesem Programmpunkt nicht wirklich begeistert. Ich mag kein Bier.

Aber die Führung, die ich da mit dem alten Braumeister, in einer der ältesten Brauereien Deutschlands, erleben durfte, hätte ich auf keinen Fall missen mögen. Ich habe noch nie so eine humorvolle, witzige, aber auch spannende Führung erlebt.

Der Braumeister stellte uns zuerst den Eisturm von aussen vor. Heute ein denkmalgeschütztes Bauwerk. Dabei erzählte er die Geschichte der Bierherstellung und brachte uns mit seinen witzigen, träfen Erzählungen permanent zum Lachen. Auf der weiteren Führung durch die Produktionsräume erhielten wir eine erste Lektion zur Herstellung von Bier. Es ist wirklich eine Wissenschaft für sich, all diese unterschiedlichen Elemente in ein genussvolles Gebräu zu verwandeln. Zum Abschluss durften wir eine Zwickelprobe im Eisturm geniessen. Also, ich habe sie weggelassen und nur an den Gläsern gerochen. Der Geruch war noch speziell, hat mich dennoch nicht zum Probieren animiert. Das Rauchbier weckte bei mir die Erinnerung an Raclette. Vor allem hatte ich aber Zeit, mir das Innere des Eisturms anzuschauen. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude, in dem sehr prominent die Statuen der drei Könige aufgestellt waren, die der Brauerei ja auch den Namen gaben.

Vom Eisturm wechselten wir in die Gaststube, wo uns ein feines, wiederum reichhaltiges, Essen erwartete.

Und dann wars wieder Zeit für ein Konzert auf dem Vorplatz der Kirche, direkt gegenüber der Brauerei. «Die Franken wussten eben schon immer, dass Leib und Seele zusammengehören und beides gepflegt werden will.»1

Auch dieses Konzert haben wir alle sehr genossen. Einfach so zu musizieren, sorgte für ein Gefühl der Leichtigkeit und Freude. Eine Besonderheit war, dass der alte Braumeister bereit war, die «Fischerin vom Bodensee» zu dirigieren. Nachdem ihm Guido dann etwas Starthilfe gewährte, machte er das ganz passabel. Nun ja, wir haben das Stück ja nicht zum ersten Mal gespielt und unser Schlagzeuger ist der perfekte Taktgeber.

Nachdem die letzten Töne verklungen, die Instrumente eingepackt und verstaut waren, ging’s weiter nach Bamberg.

Der Car-Parkplatz lag ein weiteres Mal weit ausserhalb des Stadtzentrums, was wieder zu einem längeren Fussmarsch führte. Offenbar war Andy sehr auf unsere Gesundheit bedacht, so dass er immer genügend Bewegung eingeplant hatte.


Im Stadtzentrum zerfielen wir dann in verschiedene Gruppen, die sich, je nach Interessen, durch die Stadt bewegten. Die einen besuchten den Dom, die andern die alte Fischersiedlung, die als Klein-Venedig bezeichnet wird. Ich schlenderte mit einer Grupp durch die Altstadt und staunte über die riesige Menschenmenge, die sich durch die Gassen wälzte. Hier hätten wir ein gigantisches Publikum gehabt, aber in Bamberg durften wir nicht musizieren. Der Vorteil war, dass wir so Zeit hatten, die wunderschönen alten Bauten zu betrachten und feine Glace zu geniessen.

Das Nachtessen im «Scheiners am Dom» haben wir alle ebenso genossen. Dabei hat sich beim Schnupfen gezeigt, dass wir da sehr begabten Sprüche-Nachwuchs haben. Zudem habe ich ein neues Spiel kennenglernt, das sich «Stirneraten» nennt. Was so eine Musikreise alles beinhaltet – unglaublich.

Schon bald wurde wieder gewerweisst, ob wir wohl den Weg zum Car finden. Was sich dann aber als unbegründete Sorge erwies. Wir kamen alle wieder in Nürnberg an, wo sich die meisten dann ziemlich zügig in den Schafmodus versetzten. Nur die energiegeladene Jugend feierte noch ein Nachtparty. 1 (Zitat aus der Webseite der «Drei Kronen»).



Sonntag, 20. September 2026

Unser letzter Reisetag begann wieder mit dem Treffen im Frühstücksraum. Wobei es eher ruhig zu und her ging, was für uns etwas ungewöhnlich ist. Aber die diversen Polizeieinsätze in der Nacht haben vermutlich nicht nur mich dauernd geweckt.

Doch dann wurde gepackt, die Schlüssel am Empfang abgegeben und weiter ging unsere Reise nach Blaubeuren. Vorgängig hatte ich mich etwas über die Stadt Blaubeuren, den bekannten «Blauen Topf» und den angesagten Weltkindertag informiert. Dabei habe ich gelesen, dass Andy und seine Affenbande einen Auftritt hätten. Damit waren aber nicht wir gemeint, sondern eine Band, die zur Unterhaltung der Kinder beitrug.

Wir erhielten die Gelegenheit, auf dem Kirchplatz unser Konzert zu präsentieren. Der Kulturverein hatte im Vorfeld kräftig Werbung für die Schweizer Stadtmusik Rorschach gemacht, so dass wir eine riesige Menge von Zuhörenden mit unserer Musik begeistern konnten. Dass unsere Melodien die Leute zum Schunkeln und Tanzen anregen, haben wir auf dieser Reise nun mehrfach erfahren. Aber am eindrücklichsten war das kleine Mädchen, etwa 2 Jahre alt, das wie wild tanzte und die Dirigierbewegungen von Guido imitierte. Einfach köstlich.

Am Ende unserer Darbietungen wurde lauthals nach Zugaben verlangt. Dieser Aufforderung kamen wir natürlich sehr gerne nach, so dass wir über eine Stunde am Musizieren waren.

Während wir unsere Instrumente einpackten, sammelte Guido viele begeisterte Komplimente.

Im Anschluss wollten wir natürlich den bekannten «Blauen Topf» sehen. Ich hatte schon gelesen, dass er renoviert würde, aber ein bisschen von diesem eindrücklichen blauen Wasser war bestimmt noch zu besichtigen. Und dem war dann auch so. Es hatte nicht viel Wasser, aber wo war das in diesem Sommer nicht der Fall.

Ein kleiner Weiher zeigte sich in dieser speziellen blauen Farbe, die durch das Wasser der Karstquelle erzeugt wird.

Auf dem Rückweg fand unsere Gruppe ein Restaurant, in dem wir uns vor der Heimfahrt noch mit den gebräuchlichen riesigen Portionen verpflegen konnten.

So nach und nach fanden sich alle Musikantinnen und Musikanten wieder beim Car ein – die Heimfahrt konnte starten.

Müde, aber mehr als zufrieden trafen wir wieder in Goldach und Rorschach ein.

 


Abschliessend möchten wir Andy und seinen Mitorganisatorinnen ganz herzlich danken. Auch wenn das Organisieren dich, Andy, manchmal an den Rand der Verzweiflung gebracht hat, es war eine wunderbare Reise, in jeder Hinsicht.

Wir alle haben diese gemeinsamen, herrlichen Tage, das lockere Musizieren, die vielen lustigen Momente sehr genossen.

Andy, du hast ein echt tolles Programm auf die Beine gestellt. Vielen herzlichen Dank!!!



 
 
 

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